
Apple hat ein Patent angemeldet, das es seinen beliebten Ohrhörern – wie zukünftigen Versionen der AirPods – ermöglichen könnte, die Gehirnwellen der Nutzer ohne deren Zustimmung zu überwachen und aufzuzeichnen.
Das betreffende Patent, US20230225659A1 , das im Juli 2023 vom US-Patent- und Markenamt veröffentlicht wurde, beschreibt ein „Biosignal-Erfassungsgerät mit dynamischer Elektrodenauswahl“.
So funktioniert es: Ohrhörer, die gleichzeitig als Gehirnmonitore dienen
Die herkömmliche Messung der Hirnaktivität erfolgt mittels auf der Kopfhaut angebrachter Elektroden, die oft sichtbar und störend sind. Apples Innovation verlagert die Messung ins Ohr: Die Elektroden werden im oder um das äußere Ohr positioniert und ermöglichen so ein diskretes und komfortables Tragen.

Das Patent erläutert: „Die Hirnaktivität kann mithilfe von Elektroden überwacht werden, die auf der Kopfhaut des Nutzers angebracht werden. In manchen Fällen können die Elektroden auch im oder um das äußere Ohr des Nutzers platziert werden.“ Dieser Ansatz bietet entscheidende Vorteile, wie beispielsweise eine geringere Beweglichkeit des Geräts und eine schlechtere Sichtbarkeit der Elektroden im Vergleich zu am Kopf befestigten Geräten.
Kernstück der Technologie ist die Ohr-Elektroenzephalografie (Ohr-EEG) , eine Methode zur präzisen Messung der elektrischen Hirnaktivität mithilfe von Sensoren im Ohr. Die Ohrhörer wählen dynamisch die optimalen Elektroden für bestmögliche Messwerte aus und passen sich der individuellen Ohrform des Nutzers an, ohne dass eine Sonderanfertigung erforderlich ist.
Neben Hirnströmen könnte das Gerät eine Reihe weiterer Biosignale erfassen:
- EEG (Elektroenzephalographie): Elektrische Hirnaktivität
- EMG (Elektromyographie): Muskelbewegungen
- EOG (Elektrookulographie): Augenbewegungen
- Zusätzliche Messwerte wie Herzfrequenz, Hautleitfähigkeit und mehr
Stellen Sie sich vor, Sie setzen Ihre Ohrhörer beim Training oder auf dem Weg zur Arbeit ein und gewähren Apple damit unwissentlich Zugriff auf Echtzeitdaten über Ihre neuronale Aktivität, Ihre Konzentrationsfähigkeit, Ihren Stresspegel oder sogar Ihre emotionalen Zustände.

Der Albtraum der Privatsphäre: Gedankenlesen ohne zu fragen
Sobald die Ohrhörer eingesetzt sind, kann die Überwachung nahtlos beginnen – über die Ersteinrichtung hinaus sind keine weiteren Berechtigungen erforderlich. Das Patent betont Komfort und Unauffälligkeit, sodass Nutzer möglicherweise gar nicht bemerken, dass ihre Hirnströme aufgezeichnet und gegebenenfalls an Apples Ökosystem übertragen werden.
Kritiker haben vor den möglichen Folgen gewarnt:
- Hirndaten zählen zu den intimsten Informationen, die man sich vorstellen kann, und geben Aufschluss über Gedanken, Emotionen und Gesundheitszustände.
- Ohne robuste und detaillierte Einwilligungsmechanismen könnte dies eine ständige Überwachung mentaler Zustände ermöglichen.
- Zu den potenziellen Missbrauchsmöglichkeiten gehören gezielte Werbung auf Basis von Stimmungsanalysen, die Weitergabe von Daten an Dritte oder sogar unbeabsichtigte Weitergaben hochsensibler neuronaler Informationen.
Obwohl Apple sich noch nicht zu Plänen für die Implementierung dieser Technologie geäußert hat, deutet die Existenz des Patents auf eine Zukunft hin, in der alltägliche Wearables in die direkte Gehirn-Computer-Schnittstelle übergehen – alles unter dem Deckmantel der Gesundheitsüberwachung oder erweiterter Funktionen.

